Ein Jahr wie eine Ewigkeit

Ohne Titel

Heute vor einem Jahr steckte ich in den letzten Wochen meiner Ausbildung. Heute vor einem Jahr steckte ich mitten in meiner allerletzten Berufsschulwoche. Heute vor einem Jahr saß ich zuletzt mit zwei Klassenkameradinnen an diesem See. Und die Zukunft vor mir lag noch völlig offen.
Ich habe oft das Gefühl, dass die Zeit unfassbar schnell vergeht. Abgesehen von den Prüfungen bin ich nun schon fast mit meinem zweiten Semester im Studium durch und auch wenn ich das kaum glauben kann, habe ich nicht das Gefühl, dieser Tag vor einem Jahr wäre erst gestern gewesen.
Es ist viel passiert in diesem Jahr. Ich habe viele neue Dinge getan, gesehen, erlebt und so beschleicht mich das Gefühl, dass dieser Tag vor einem Jahr schon eine Ewigkeit her ist.

Ohne Titel

Ohne Titel

Und am Ende bleibt doch die Frage: Wer hat an der Uhr gedreht? Und was macht er mit meinem Zeitgefühl? Ist das nicht verrückt?

A New Beginning

Schon wieder sind 4 Monate vergangen, seitdem ich mich hier zuletzt zu Wort gemeldet habe. Für meine Abwesenheit möchte ich mich gar nicht mehr entschuldigen. Ich mag diese Unregelmäßigkeit zwar selbst auch nicht, aber wenn die Lust oder Zeit zum Bloggen dann doch fehlt, ist das einfach so. Ich bin niemandem hier eine Rechenschaft schuldig und ich hoffe, dass ihr – sofern das hier noch verbliebene Leser finden – das auch so seht und euch einfach freut, wenn ich dann doch mal wieder etwas von mir sehen und lesen lasse, wie lange es auch immer dauern möge. Dank Feedreadern ist das ja auch nicht so schwer.

Mit dem Titel möchte ich auch keinen großen Wandel hier auf dem Blog ankündigen. Das will und kann ich einfach nicht versprechen, obwohl ich noch genügend Fotos aus dem letzten Jahr hätte.
Inspiriert hat mich dazu viel mehr der (inoffizielle) Nachfolger des Projektes „Let’s get creative 2015“ (also „Let’s get creative 2016“), in dem das erste Thema „New Beginning“ lautet.
Das offizielle „Let’s Get Creative 2016“ ist nun übrigens ein 12-Monats-Projekt und auch nicht mehr auf Selbstportraits festgelegt, wobei ich das für mich wohl so beibehalten werde. Und das erste Thema ließ sich auch direkt sehr gut mit „New Beginnig“ zusammenbringen, weshalb ich hier jetzt einfach mal beide Projekte quasi zusammenführe.
So hatte ich mal wieder einen Anlass ein neues Selbstportrait zu machen und kombiniere das Ganze nun mit einigen Gedanken zum Thema Veränderungen und Neuanfänge.

A New Beginning18-35mm | 35mm | f/2.8 | 1/13s | ISO 500

2015 war für mich voller Veränderungen und neuen, unbekannten Situationen, denen ich mich stellen musste.
Mit meiner Ausbildung befand ich mich im Endspurt, die Frage nach dem „danach“ saß mir im Nacken. Anfang des Jahres hatte ich davon noch keinerlei Vorstellung, höchstens fixe Ideen. Und den dringenden Wunsch nach einem Ortswechsel.
Doch wie das Leben so spielt, sollte sich das noch ändern.

„Life is what happens to you while you’re busy making other plans.“ – John Lennon

Das Leben läuft selten so, wie man es plant und im Bezug auf das vergangene Jahr bin ich sogar dankbar dafür.
Ich hatte den wohl bisher mit großem Abstand besten Sommer meines Lebens, trotz einer zunächst sehr harten fremdbestimmten Planänderung, die sich letztendlich zum Glück doch nur auf zwei Monate bezog.
Ich entdeckte förmlich meine Spontanität und sogar die Liebe zum Sommer. Umgeben von Menschen, mit denen das Leben einfach Spaß machte, hatte ich es mit dem Ortswechsel dann doch nicht mehr so eilig – es war gerade alles gut, genau so wie es war – aber er war nun nicht mehr abzuwenden.
Der Abschied fiel mir nun wirklich nicht mehr leicht. Ich ging mit einem lachenden und einem weinenden Auge, mit vielen tollen Erinnerungen und wichtigen Erkenntnissen.
Ich glaube, im letzten Jahr sehr viel gelernt zu haben, über mich, das Leben und auch über andere Menschen.

Veränderungen machen Angst oder erzeugen Vorfreude. Möglicherweise auch beides. Je nachdem, was für ein Typ Mensch man ist. Meinen (großen) Respekt vor Veränderungen werde ich wohl niemals verlieren, aber ich sehe in den Veränderungen auch Chancen und wenn es „nur“ zu neuen persönlichen Erkenntnissen führt. Genau diese helfen uns schließlich selbst zu wachsen.

Und letztendlich muss ich sogar zugeben, dass im Bezug auf berufliche Veränderungen (oder wie man das nennen möge) mein Plan A aufgegangen ist und ich mit meinem Studium einen kleinen Neuanfang gemacht habe. Dieser Plan A musste nur erstmal heranreifen und nun muss er seine „Richtigkeit“ in der Praxis beweisen.

Damit es trotzdem nicht langweilig wird, werde ich zum Monatswechsel schon wieder umziehen, weshalb sich auch die Umzugskartons mit aufs Bild geschlichen haben.

Wie die Zeit vergeht

Ohne Titel18-35mm | 35mm | f/1.8 | 1/40s | ISO 125

Was für eine Standard-Aussage, aber es stimmt doch.
Wie oft fragen wir uns, wo die Zeit schon wieder hin ist? Spätestens zu Weihnachten und Silvester fragt sich doch jeder, wo das Jahr geblieben ist. Aber auch zum Monatswechsel merkt man das gerne mal.
Oder wenn sich ein Lebensabschnitt dem Ende zuneigt und ein ganz neuer bevorsteht. Und damit bin ich mitten drin, in meiner aktuellen Situation.

Wo sind die letzten drei Jahren geblieben? Wie kann es sein, dass ich jetzt wirklich mit meiner Ausbildung fertig bin und meinen Ausbildungsbetrieb wohl nie wieder betreten werde?
Vor zwei Wochen hatte ich gerade meine Abschlussprüfung hinter mir, habe die ersten drei Zusagen fürs Studium bekommen, bin ausgerastet vor Freude über die neue Perspektive im Leben und so egal, wie mir die Prüfung zwischenzeitlich mal war, wollte ich sie nun doch nicht mehr verkackt haben und meinen Ausbildungsbetrieb einfach nur noch hinter mir lassen.
Natürlich war dort nicht alles schlecht, aber nach einigen Ungereimtheiten, immer neuen widersprüchlichen Möchtegern-Fakten und unzähligen Diskussionen, die ich wahrscheinlich auch noch ewig weiterführen könnte, bin ich einfach froh, weg zu sein.
Ich bereue den Schritt, diese Ausbildung über 300km von meiner Heimat entfernt zu machen und dafür auszuziehen kein Stück, auch wenn es jetzt beruflich in eine andere Richtung gehen soll.

Am Freitag – vor zwei Wochen – gab es dann jedenfalls auch direkt die Ergebnisse der Prüfung. Wie auch meine Mutter feststellen musste, war meine Freude darüber viel gedämpfter als jegliche Freude am Vortag beim Betrachten der Zulassungsbescheide. Irgendwie bin ich tatsächlich einfach davon ausgegangen, dass das geklappt hat. Zwar bin ich nicht freudestrahlend und völlig zufrieden mit meiner Leistung aus der Prüfung gegangen, aber man wollte uns da nie wieder sehen und für ein „bestanden“ musste es definitiv gereicht haben. Hat es auch und damit galt meine Ausbildung dann am Freitag als beendet.
Völlig ohne feierlichen Charakter gab es am letzten Tag zwar einen Blumenstrauß, aber das wars dann auch. Die Zeugnisse kamen per Post. Möglicherweise ein Grund, warum mir irgendwie der „richtige“ Abschluss und das Gefühl es wirklich geschafft zu haben, fehlt. Man hat sich verabschiedet und ist einfach gegangen. Das wars. Einfach so vorbei.

Ganz genau drei Jahre ist es jetzt her, dass ich meine Wohnung, die damals noch eine Baustelle war, besichtigt habe und ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, wie beschissen es mir damit ging. Die Wohnung war zwar ein wunderschöner Glücksgriff, aber ich wollte nicht ausziehen, ich wollte nicht von zu Hause weg und konnte mir nicht vorstellen, hier ganz alleine zu leben. Ja, die Situation hat mir echt verdammte Angst und viele viele Bauchschmerzen bereitet.

Doch ich habe die ganze Sache durchgezogen, bin stolz darauf und nun sitze ich hier und die ganzen Gefühle kommen irgendwie wieder hoch. Nur andersherum, falls das geht und man das so sagen kann.
Ich bin total gespannt aufs Studium und alles Neue, habe da zwar auch echt Respekt vor, aber ich bin mir auch gar nicht sicher, ob das alles in meinem Hirn überhaupt schon angekommen ist.
Hier jetzt aus der ersten eigenen Wohnung, die ich wirklich liebe und am liebsten mitnehmen würde, wieder auszuziehen, ist total merkwürdig. Ich will hier nicht weg und wieder – wenn auch nur vorübergehend – bei meinen Eltern einziehen.
Gerade in den letzten Monaten hatte ich hier abseits der Arbeit einfach eine total gute Zeit und ich wünschte, das würde jetzt nicht so plötzlich enden. Das hätte so auch gerne noch viel länger gehen dürfen, aber das Leben hält da noch andere Pläne für mich bereit. So richtig vorstellen, kann ich mir das alles noch nicht, aber zum Ende des Monats werde ich hier definitiv ausziehen und ich weiß jetzt schon, dass der endgültige Abschied nicht einfach werden wird.


Wer jetzt noch Interesse an Infos zum Bild hat: Passend zum Titel dieses Artikels, ist das Bild noch aus dem März und es war das letzte in meiner täglichen Strähne, die ich ja nach dem 365-Tage-Projekt noch ein paar Tage weitergeführt hatte.