[325] Die Sache mit den Zahlen

[325] All these Numbers18-35mm | f/1.8 | 1/13s | ISO 320

Unser ganzes Leben wird in den verschiedensten Bereichen von Zahlen bestimmt. In manchen mehr und in manchen weniger, in manchen ist einem das vielleicht auch gar nicht so bewusst und manchmal nimmt das auch Überhand.
Worauf ich hinaus will? Lässt sich eventuell auf Grund des Fotos schon erahnen.
Wer mir auf instagram folgt oder wer mich sonst halt näher kennt, wird mein neustes Vorhaben wohl schon mitbekommen haben. Ich will zunehmen. Dieses Jahr wirklich. Ich habe das ewige Untergewicht satt und will fitter werden, Muskeln aufbauen und nicht einfach nur fett werden.
Seit ich (geschätzt) 14 war, hat sich mein Körper kaum noch verändert. Ich habe das Gefühl, ich bin halt gewachsen, wie Kinder eben wachsen, wurde dementsprechend auch noch irgendwie schwerer und bin da dann aber einfach an irgendeinem Punkt stehengeblieben.
Und es nervt. Man darf sich regelmäßig anhören, wie toll es doch sei, essen zu können, was man will ohne zuzunehmen. Ja, einerseits vielleicht schon, aber für magersüchtig gehalten zu werden, ist auch nicht lustig.
Besonders absurd, wenn auf einmal die Ärztin, die mich seit Ewigkeiten kennen sollte, bei der Nennung des Gewichts völlig schockiert reagiert und erstmal eine Abfrage startet, was ich denn so essen würde.
Als ich letztes Jahr mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus kam, musste ich mir von den Schwestern auch anhören, dass es mit meinem geringen Gewicht ja kein Wunder sei zusammenzuklappen. Als nächstes bekam ich dann hochkalorische Trinknahrung angeboten – ich habs probiert, schmeckt nicht! – und ich hatte den Eindruck, dass meine Mahlzeiten auch viel größer ausfielen als die meiner überwiegend etwas fülligeren Bettnachbarinnen.
Erzählt man einem „normalen“ Menschen, dass man gerne zunehmen würde, heißt es einfach nur „Musst du halt mehr essen.“ Darf ich meinem dicken Gegenüber dann mit „Iss halt weniger.“ antworten? Fände der bestimmt nicht lustig. So einfach ist es für mich aber. Es gibt / gab bei mir wirklich Tage, da brauch(t)e ich nicht viel zu essen, da habe ich halt keinen großen Hunger. Dazu ein bisschen Faulheit, mir etwas zu Essen zu machen und dann lasse ich das halt. Dann werde ich aber halt auch direkt weniger.

Jedenfalls probiere ich es jetzt halt wirklich mit mehr Essen, dazu etwas Krafttraining und damit ist mein erstes Etappenziel, die magische 50kg-Grenze zu knacken. Ab 50kg scheint man ja erst ein vollwertiger Mensch zu sein, wenn man sich an Blutspende u.ä. orientiert.
Damit bin ich auch wieder beim Zahlen-Thema. Mir waren sämtliche Zahlen rund ums Essen und Gewicht immer ziemlich egal. Ich finde Größe / Gewicht / Körpermaße werden völlig überbewertet. Letztendlich ist das doch alles eine Frage der Proportionen und des Wohlfühlens.
Da frage ich mich schon, ob ich nicht langsam selbst übertreibe. Ich zähle Kalorien – man braucht ja irgendeine Orientierung wie viel man da eigentlich isst – und jetzt habe ich mir auch noch eine Waage angeschafft. Fand das bisher immer unnötig. Mach mir da ja nicht viel draus. Eigentlich.

Nur wann hat man den Punkt erreicht, an dem das Überhand nimmt? Ebenfalls über instagram und den Hashtag #zunehmen wurde ich mit dem Thema Magersucht konfrontiert. Da gibt es (wenigstens) zwei Sorten von jungen Mädchen mit Essstörungen. Die einen, die auf dem Weg der Besserung sind, die ihr Problem erkannt haben und dagegen ankämpfen und dann wiederum diejenigen, die eventuell wissen, dass sie eine Essstörung haben, aber immernoch weiter abnehmen wollen, die schon erschreckend dünn sind und meinen, sie seien fett. Das finde ich unglaublich erschreckend und traurig. Und es macht mir auch irgendwie Angst, ich könnte mich selbst in den Zahlen verrennen.

Genau dafür – für einen kritischen und reflektierten Umgang mit solchen Zahlen, die doch eigentlich gar nicht viel aussgaben und auch den durch die Medien verbreiteten Schönheitsidealen – soll dieses Foto stehen, das auch gleichzeitig mein 5. Beitrag zum Thema „Reflection“ im Projekt Let’s Get Creative ist, nachdem mir die erste Idee nicht zu funktionieren schien und die zweite sehr spontan über den Haufen geworfen wurde. So gibt es die Reflexion hier eben auf mehreren Ebenen.

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8 Kommentare zu “[325] Die Sache mit den Zahlen

  1. … auch von mir ein Dankeschön für das Teilen deiner inneren Welt. Ich mag Zahlen im Zusammenhang mit Essen auch nicht, es gibt keinen Durchschnittsmenschen. Viel wichtiger finde ich das eigene Gespür für mich selbst, für meinen Körper und seine Grenzen. Vielleicht zeigst du uns ja immer mal wieder eines deiner schönen Foodbilder, dann haben wir alle was davon ;-)

  2. ich sagte es eh schon auf ig: ich drücke dir die daumen. und ja, im prinzip darfst du das dann jemandem darauf sagen. meine mama hat das gleiche problem und obwohl ich immer am anderen ende der skala rumzapple verstehe ich das problem dadurch und mache mir auch sorgen um sie, weil es eben in die andere richtung genauso problematisch sein kann wie in die, mit der vielleicht mehrere menschen in der westlichen welt probleme haben. ich würde mich aber auch nicht in zahlen verrennen, sondern einfach versuchen, einen essensrhythmus aufzubauen und an geregelte mahlzeiten zu kommen und zu versuchen, zu essen, auch wenn die lust nicht zu groß ist. zumindest ein bisschen. oder einfach immer was daheim haben, was schmeckt, man kann ja vieles auch einfrieren, damit es nicht schlecht wird…

    • Danke dir!
      Ich bemühe mich auch schon, das mit den Zahlen nicht so eng zu sehen und eben nur als grobe Orientierung zu nehmen. Dafür finde ich sie nämlich nichtsdestotrotz gerade ganz hilfreich. Na ja und ich bin halt noch dabei einen guten Essensrythmus zu finden bzw. beizubehalten. Grad am Wochenende habe ich da halt wirklich meine Probleme, dadurch dass ich halt meist auch erst mittags aufstehe, fehlt ja direkt eine Mahlzeit.

  3. Danke für diesen ehrlichen Beitrag! Ich glaube das ist nicht leicht, so etwas persönliches online zu stellen. Und ich glaube ich kann mir ein wenig vorstellen, wie das sein muss, immer solche Sprüche zu hören, man solle halt mehr essen. Wenn du dir weiterhin so viel liebevolle leckere Sachen kochst, dann wird es dir auf jeden Fall nochmal besser gehen. Ich weiß nicht, ob das Gewicht wirklich so entscheidend ist, wenn es einem gut dabei geht. Die Sache ist halt, wie die Gesellschaft damit umgeht :(
    Vielleicht kannst du erstmal schauen, ob du die Zahlen weglassen kannst und trotzdem leckere Gerichte kochen, auf die du Lust hast?
    Wenn man sich zu sehr auf diese Dinge versteift übernehmen sie leicht überhand und man vergisst sowas auch total schwer.

    Vielleicht bist du auch eher der Typ für viele kleinere Mahlzeiten? Also statt 3 5, wovon du dir einen Teil in der Früh vorbereitest? Oder am Vortag. Gibt ja richtig coole Sachen.

    Auf jeden Fall wünsche auch dir alles Gute und viel Durchhaltevermögen! :)

    • Danke!
      Das Problem ist halt oftmals das Kochen, worauf ich nicht die größte Lust verspüre und dann überhaupt die Frage, WAS man eigentlich essen / kochen will. Mit großem, verzehrfertigem Buffet vor der Nase wäre das alles überhaupt kein Problem mehr.
      Ich finde das exakte Gewicht auch gar nicht mal so entscheidend. Mir geht es ja in der Hauptsache darum, einfach etwas mehr auf die Rippen zu bekommen, Muskeln aufzubauen und damit generell fitter zu werden. Na ja und die 50kg will ich halt mindestens haben, um z.B. Blut spenden zu dürfen.

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