[Tipps & Tricks] Feuerwerk fotografieren

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Bei Kommentaren zu meinen Feuerwerksfotos höre ich öfters mal, dass andere das nicht hinbekommen und dass Feuerwerksfotografie so kompliziert sei. Ich will das auch gar nicht kleinreden und würde mich auch selbst nicht als Experten bezeichnen, aber inzwischen habe ich doch schon bei einigen Feuerwerken fotografiert und möchte euch einfach ein paar Tipps an die Hand geben, mit denen man zumindest schon mal die nötigen Grundlagen geklärt hätte. Damit auch ihr beim nächsten Feuerwerk – vielleicht schon morgen? – schöne Fotos machen könnt.

Welches Equipment benötige ich?

Viele Motive lassen sich mit jeder einfachen Kamera fotografieren – und wenn es nur eine Handykamera ist – beim Feuerwerk wird das aber wohl eher nichts (sollte jemanden einen Gegenbeweis haben, lass ich mich gerne überzeugen).
Im Idealfall hat man also eine Spiegelreflexkamera, Systemkamera oder auch „nur“ eine Kompakte, die die Möglichkeit der manuellen Einstellung bietet.
Neben der Kamera wohl das Wichtigste ist ein Stativ, damit die Kamera ruhig stehen kann und das Bild nicht verwackelt wird. Wenn wir schon beim Verwackeln sind, ist auch ein Fernauslöser (Infrarot, Funk, Kabel) von Vorteil, da es sonst passieren kann, dass man beim Drücken des Auslösers verwackelt. Mit einer ruhigen Hand kann das aber auch so klappen.
Was für ein Objektiv nehmt ist eigentlich völlig egal. Sollte halt der Größe und Entfernung des Feuerwerks oder dem gewünschten Bildausschnitt angepasst sein.
Selbst habe ich meine Feuerwerksfotos bisher eigentlich alle entweder mit dem 18 – 55mm Kit oder dem 10 – 20mm Weitwinkelobjektiv gemacht.

Wie finde ich den richtigen Standort?

Bei großen Events findet man den am einfachsten, wenn man weiß, wo das Feuerwerk abgeschossen wird. Frühzeitiges Kommen sichert außerdem die guten Plätze – dafür lohnt es sich auch mal eine Stunde in der Kälte zu stehen.
Wenn ihr nun aber keine Ahnung habt, von wo das Feuerwerk abgeschossen wird, lohnt es sich einfach mal Ausschau zu halten nach anderen Menschen mit Stativ und Kamera. Oftmals kann man schon irgendwo Leute entdecken, die mehr Ahnung haben als man selbst und auch schon gut stehen. Da kann man sich auch mal daneben stellen.
„Damals“ in Hamburg zum Beispiel, standen wir dadurch in der unmittelbaren Umgebung eines Fotografen, der vom Veranstalter engagiert war.
Hamburger Hafengeburtstag
Generell würde ich sagen, dass man immer gucken sollte, dass man so weit „vorne“ steht, dass sich nicht einfach 2-Meter-Menschen vor einen stellen können, die dann die Sicht versperren und auch erhöhte Positionen können sehr von Vorteil sein.

Übrigens habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, dass andere Menschen sehr hilfbereit und rücksichtsvoll sein können, wenn man irgendwo mit Stativ und Kamera ankommt. Da wurde ich auch schon gefragt, ob das so wie es war in Ordnung wäre, ob jemand eventuell noch etwas Platz machen solle, oder ähnliches. Zumindest so lange, wie noch Bewegung möglich war. Stichwort: Frühzeitiges Erscheinen.

Wie wähle ich den Bildausschnitt?

Im Idealfall hat man eine ungefähre Vorstellung, wie groß es werden könnte, entsprechend wählt man die Brennweite – vorausgesetzt man möchte nicht nur Ausschnitte abbilden – und guckt, ob es irgendwelche Lichter gibt, an denen man sich zur Wahl des Bildausschnitts orientieren kann. Gerne mach ich auch vorher ein Testbild, bei dem ich den ISO so hochreiße wie nur möglich, einfach, um zu gucken, was überhaupt alles auf meinem Bild drauf ist. Der große Vorteil der digitalen Fotografie ist ja, dass man den Quatsch wieder löschen kann.
Und im „Notfall“ muss man halt noch während des Feuerwerks nachjustieren.

fireworks

Wie fokussiere ich?

Vergesst den Autofokus. Der ist in diesem Bereich wirklich vollkommen ungeeignet.
Per manuellen Fokus auf unendlich stellen geht auf jeden Fall immer in die richtige Richtung.
Ideal ist es, wenn ihr etwas beleuchtes auf der selben Ebene habt, auf der auch das Feuerwerk starten wird. Dann lässt sich darauf ganz gut fokussieren.
Ansonsten wenn es eine schöne Kulisse gibt (wie z.B. beim Hamburger Hafengeburtstag) empfiehlt es sich sich dort einen Fokuspunkt zu suchen. Eventuelle Unschärfe auf dem Feuerwerk selbst fällt weniger auf, als wenn die Kulisse verschwimmt.

Welche Einstellungen nutze ich?

Den ISO kann man getrost auf 100 oder auch 200 lassen, das Feuerwerk ist schon hell genug.
Für die Blende halte ich einen Wert von 9-13 für einen guten Mittelwert. Da kommt immernoch genug Licht an und mit der dadurch erhöhten Tiefenschärfe läuft man auch nicht so leicht Gefahr, dass das Bild unscharf wird.
Zur Steuerung der Verschlusszeit empfehle ich die BULB-Einstellung. Da wird so lange belichtet, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird oder bis man ein zweites Mal drückt, je nach Kamera oder Fernauslöser kann das unterschiedlich sein. Probiert es einfach vorher mal aus.
Meistens habe ich dabei dann Verschlusszeiten zwischen 1 und 8 Sekunden. Da versuche halt einfach zu gucken, was bei der Belichtung gerade alles aufgenommen wird, dass es nicht zu viel bzw. ganz einfach zu hell wird. Das erfordert dann aber tatsächlich auch Übung – da bin ich ja selbst noch dabei.
fireworks
Es können allerdings auch eher kürzere Belichtungszeiten ganz interessante Effekte geben. Im Gegensatz zum gerade eben gezeigten Bild, bei dem ich 5 Sekunden lang belichtet habe, habe ich bei dem folgenden Bild nur 1/60 Sekunde lang belichtet.
Shooting Glitter towards the Sky
Abgesehen davon, dass das Bild aus meiner Anfangsphase der (Feuerwerks)Fotografie stammt und es nicht so richtig scharf geworden ist, sieht man ganz gut, dass man halt keine langen Lichtspuren erhält, sondern das Feuerwerk viel mehr in seiner Form aufnimmt, wie man es tatsächlich auch mit dem Auge wahrnimmt.

Und nach der Aufnahme?

Mal abgesehen von Stativ abbauen, Sachen einpacken, nach Hause gehen oder sonst was machen, was man noch machen möchte…kann man die Bilder anschließend noch am PC bearbeiten.
Persönlich finde ich aber, dass man bei Feuerwerk gar nicht so viel machen muss. Es wirkt auch so schon immer sehr gut.
Es kann aber auch ganz interessant sein, einfach mal verschiedene Sachen auszuprobieren. Persönlich finde ich es ganz interessant Feuerwerk mal ohne Farbe zu zeigen. Da ist die Stimmung einfach gleich eine ganz andere.

fireworks

Hiermit bin ich dann auch am Ende. Ist jetzt doch eine ganze Menge geworden, aber ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen damit helfen und zumindest der ein oder andere fühlt sich animiert, sich (noch) mal daran zu probieren Feuerwerk zu fotografieren.
In diesem Sinne: Gut Schuss, viel Spaß beim Fotografieren und lasst euch nicht entmutigen, wenn die ersten Ergebnisse nicht gleich perfekt werden. Wie in allen anderen Sparten der Fotografie braucht man auch hier Übung.
Sollten noch irgendwelche Fragen auftauchen oder ich irgendetwas vergessen haben, dürft ihr mir die auch sehr gern stellen.

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7 Kommentare zu “[Tipps & Tricks] Feuerwerk fotografieren

  1. Das Bild vom Hafen! Hammber – Ich mag es total wenn Bilder „glänzend“ wirken :) :) :)
    Vielleicht bin ich bis nächstes Jahr etwas bewandter dadrin, wo gute Positionen für Bilder vom Hamburger Silvester Feuerwerk sind, dann sollte ich das unbedingt auch mal ausprobieren…. Oder vielleicht am Hafengeburtstag… mh.

    • Du kannst ja beim Hafengeburtstag schon mal anfangen zu üben x)
      Nur, die Menschenmassen dort sind wirklich extrem krass – hab nur keinen Vergleich zu Silvester – da muss man für gute Plätze früh kommen und lange ausharren.

  2. Vor allem das zweite Foto finde ich total beeindruckend! Echt toll geworden!
    Feuerwerk hätte ich dieses Jahr zwar massig zu fotografieren gehabt, aber leider ging’s mir gesundheitlich nicht sonderlich gut und ich war froh, dass ich überhaupt bis 12 Uhr durchgehalten habe… das war leider irgendwie doofes Timing zum Jahresende.

    Ja, das ist tatsächlich ein Weihnachtsmarkt. :) Ich bin manchmal auch geneigt zu behaupten, dass das alles hier oftmals viel zu kitschig aussieht und man in Filmen, bei solchen Szenen, sagen würde: ach, das kann doch gar nicht echt sein. ;) Hier ist es aber tatsächlich oft einfach total schön und schlicht und ergreifend kitschig.

    Also lustig ist das Ganze schon. Romantisch ist davon nur die Vorstellung… ^.^ Weil es ja illegal ist, hat man dabei definitiv keine Ruhe und das muss dann auch in Dunkelheit usw. stattfinden. Da ist es also kalt und grässlich und so… romantisch ist daran wahrlich nichts. ;) Allerdings gibt es auch Wälder, in denen das erlaubt ist. Das sind dann aber meistens so kleine Abschnitte, wo eben auch bewusst eingepflanzt wird usw. So was käme meine Opa ja auch gar nicht in den Sinn, das wäre für ihn auch schon „Schummeln“. ;)

  3. Ich mag das letzte total gern.
    Ich hab noch nie Feuerwerk fotografiert =/ dabei gibt’s in Düsseldorf jedes Jahr ein ganz tolles, Japanisches ^^

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