Wenn man Fotos mit einem Fahrrad bezahlt

The Last Fighter

Aus aktuellem Anlass gibt es heute mal ein aktuelles Fotos, wobei das Foto wenig mit der Sache zu tun hat, die ich gerade loswerden will.

Ich möchte Abschied nehmen. Abschied nehmen von meinem geliebten Fahrrad.
Gute 9 1/2 Jahre hat es mich treu begleitet und ein Ende war eigentlich nicht in Sicht. Auch wenn es schon jahrelang recht klein für mich war. Schließlich habe ich es damals zu meinem 11. Geburtstag bekommen und war stolz wie Bolle. Mein erstes eigenes, richtig neues Fahrrad. So mit selbst aussuchen und so.

Viele viele hundert Kilometer dürfte es mich begleitet haben. Mal sehr häufig in Benutzung, aber auch mit Phasen der Kaum-Beachtung, aber immer sehr zuverlässig. Die „Zwischenfälle“ kann ich an einer Hand abzählen, wenn ich nichts komplett verdrängt habe. Ein paar abgesprungene Ketten, eine Lichtmacke, dessen Ursache nie aufgeklärt wurde – wenn ich es zu Hause vorführen wollte ging es immer – eine kaputte Klingel und ein abgebrochener Schlüssel im Fahrradschloss.

Zwischendurch – so mit 16 – gab es mal eine Phase, in der ich der Meinung war unbedingt ein neues Fahrrad zu brauchen, weil meins ja viel zu klein sei. Meine Oma sagte, ich wolle zu viel (Fahrrad, Führerschein, Auto, wobei ich zweiteres sowieso selbst gezahlt habe) und Vater war der Meinung, mein Fahrrad hätte genau die richtige Größe, denn obwohl er nen Kopf größer ist als ich, hat er sich immer sehr gern mein Fahrrad geschnappt, um mal eben schnell wohin zu kommen.
So dringend war das dann auch nicht wirklich – schließlich fand ich auch immer, dass mein Fahrrad sowieso am besten lief, wenn ich mal auf nem anderen Fahrrad gesessen hatte – und es folgten erstmal die Winterreifen fürs Fahrrad, mit denen ich ganz neue, ungeahnte Glücksmomente erlebte und mit denen ich bis heute Sommer wie Winter gefahren bin. Immer klacker-knisternd unterwegs. So ähnlich wie in Kies.

Das Ende vom Lied?
Heute trieb mich das wunderbare, sonnige Wetter raus in Richtung „Sehenswürdigkeit(en), die ich schon seit einem Jahr mal besuchen wollte“. Angekommen dachte ich mir einmal im Leben, ich müsse mein Fahrrad nicht jedes Mal abschließen. So lange wollte ich mein Fahrrad ja auch nicht aus den Augen lassen.
Tja…einmal das Fahrrad nicht abgeschlossen und man hatte mal ein Fahrrad. So schnell kann es gehen. Merken wir uns also, dass man sein Fahrrad immer immer immer abzuschließen hat, wenn es einem lieb ist.

So ging ich also zu Fuß nach Hause, quer durch die ganze Stadt. Immerhin sieht man die Welt dabei nochmal aus einer ganz anderen Perspektive und für Fotos anhalten ist auch kein Ding mehr. Mit dem Fahrrad überlege ich ja immer zwei Mal, ob ich für ein potentielles Motiv anhalte. Da muss man schließlich erst bremsen, das Rad abstellen, die Kamera rauskramen und alles wieder verpacken, wenn man weiter will, während man zu Fuß einfach mit der Kamera in der Hand rumlaufen kann.

Mir bleibt jetzt nur noch der Gang zur Polizei und die Suche nach einem neuen Fahrrad, das wohl leider ein riesiges Loch in meine eigentlichen Sparpläne reißen wird.

Advertisements

9 Kommentare zu “Wenn man Fotos mit einem Fahrrad bezahlt

  1. Ohje, traurige Geschichte :(
    Könnte mein Fahrrad sein..

    Ich wünsche Dir das Du ein schönes ebenbürdiges Rad findest, wenn schon das geliebte nicht wieder auftauchen sollte.

  2. Oh nein, das tut mir sehr Leid Pati! Wirklich ärgerlich sowas. Mir wurde mein Fahrrad angeschlossen vom Bahnhof geklaut, irgendwann nachts. Jetzt habe ich ein olles Klapperrad für Bahnhofstouren (und einfach so, ein neues Fahrrad fällt ja nicht mal eben so vom Himmel).

    Was ich dir empfehlen würde ist, mal bei den Ebay-Kleinanzeigen in deiner Umgebung reinzuschauen. Und vielleicht auch Ebayauktionen. Viele Privatverkäufer bieten keinen Versand an, nur Selbstabholung ist möglich. Das schreckt viele Bieter ab, und wenn du einen Verkäufer in deiner Umgebung ausmachen kannst, ist es ja kein Problem mal eben in den Zug zu steigen und das Rad abzuholen :)

    Viel Erfolg dabei

  3. Man wie fies.
    Ist mir auch schon passiert -_-
    10 Minuten stand mein Rad unbeaufsichtigt vor meiner Haustür.
    Dann war es weg.
    Dann kaufte ich mir ein neues – und es ist das beste Fahrrad meines Lebens :D will nie wieder ein anderes :3

  4. :( ohje, das ist ja wohl richtig ärgerlich :( viel glück bei der suche. die liebe zu fahrrädern verstehe ich zwar aus kindheitstraumagründen nicht, aber die liebe zu dingen schon. ich drück dir die daumen, dass du einen einigermaßen würdigen nachfolger findest.

  5. Das Foto finde ich wirklich sehr gelungen. Ich mag die Details, wie diese zarten Spinnfäden. Sieht toll aus. :)
    Aber das mit deinem Fahrrad ist ja einfach zuuuu ärgerlich. Es gibt einfach zuuuu viele Idioten auf dieser Welt und ach… wirklich ärgerlich… da passt man mal einmal kurz nicht auf und dann das.
    Ich drücke dir ja die Daumen, dass du vielleicht auf der Polizei noch was erreichst, aber leider sind die Chancen für so was ja immer so gering… :(

    Dankeschön! Die Fotos sind ja noch vom letzten Jahr, so herbstlich sieht es bei uns jetzt doch noch nicht aus. Auch wenn sich der Nebel schon hartnäckig hält…

    Die Idee mit dem Hörbuch im Radio ist auch nicht schlecht! Aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich zwar einerseits wirklich genervt davon bin, wenn ständig die gleiche Musik läuft und mir so was schon extrem auffällt, ich aber andererseits auch nicht sooo auf den Radio konzentriert bin, dass ich einer ganzen Geschichte folgen könnte. Irgendwann ist man doch so konzentriert, dass das nur so nebenbei hört… das ist dann auch schade drum, weswegen ich das mit den Hörbüchern bei Arbeit und Autofahren schon früh abgeschrieben habe.

    Das mit der Psychostroy beim Autofahren und der Umleitung etc. ist allerdings witzig. Das ist ja fast schon ein perfektes Klischee! ;)

  6. Oh nein! :/ Immer immer immer abschließen. Ich muss das auch noch lernen. Mein Fahrrad steht manchmal unabgeschlossen vor der Haustür, wenn ich noch schnell rein rennen muss weil ich etwas vergessen hab. Das geht meistens nicht mehr als eine Minute. Aber in der Zeit kann auch schon viel passieren. Auf Fototouren lasse ich es auch manchmal unangeschlossen, wenn ich mich nur zwei, drei Meter entferne und nicht vorhabe, lange zu fotografieren. So halt die typischen Straßenrandmotive eben. Aber zwei, drei Meter können zu viel sein, auch wenn man alle paar Sekunden nervös zurück schaut.

    Ich wünsche dir, bald ein neues, noch tolleres Fahrrad. Allerdings kenne ich das Gefühl, dass man ja nie wieder so ein tolles oder gar besseres machen/tun/bekommen kann.

    Das Foto ist aber sehr schön….

  7. Danke für eure lieben Worte!
    @ Bonnie: Wenn es so läuft, ist das wirklich toll. Ich fürchte nur, dass das bei mir so schnell nicht passieren wird. Liebe auf den ersten Blick ist es jedenfalls nicht. Ich setze jetzt auf den Gewöhnungseffekt.
    @ Sabrina: Die ebay-Kleinanzeigen benutze ich gerade noch, um evlt. mein eigenes Fahrrad wieder zu finden. Die Hoffnung, dass ich es nochmal wieder sehen könnte ist zwar sehr gering, aber noch nicht ganz gestorben.

  8. Pingback: Gute Aussichten | Le rêve éveillé

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s