Projekt 365 – Mein Jahresrückblick

Wie fängt man da nun an? Einerseits ist das Jahr wahnsinnig schnell vergangenen, andererseits habe ich aber doch auch das Gefühl, dass es schon ganz schön lange her ist, dass ich meine ersten Projektfotos schoss. Seitdem ist einfach unglaublich viel passiert – entsprechend lang wird wohl auch dieser Artikel.

Ich glaube ja jetzt schon kaum daran, dass ich so ein 365er Projekt durchhalte, aber versuchen werde ich es trotzdem mal. Irgendwie habe ich Lust dazu und wenn ich es nicht probiere, werde ich mir doch nur ewig Gedanken machen, ob ich es nicht doch hätte schaffen können. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Oder so.

Diese Worte waren Teil meines Artikels zum ersten Tag. Ich habe nie daran geglaubt, dass ich das selbst schaffen könnte und habe immer nur die Menschen bewundert, die genau das bewerkstelligten, die es schafften tagtäglich zu fotografieren. Für mich konnte ich mir das nicht vorstellen, aber nachdem der Point dieses Experiment ebenfalls wagte und ihr Projekt letztendlich auch erfolgreich abschloss, wurde ich immer neugieriger darauf. Sie leistete gute Überzeugungsarbeit und als ich dann mein damaliges Bearbeitungs- und Blogger-Defizit endlich aufgeholt hatte, ging es auch direkt los.

Ich möchte mehr im manuellen Modus fotografieren und weg davon immer die Zeit- oder Blendenautomatik zu benutzen. Mein Ziel ist, auf diese Modi irgendwann komplett verzichten zu können und die Blenden- und Zeitkombinationen intuitiv parat zu haben.

Vor meinem Projekt habe ich hauptsächlich mit der Zeitautomatik gearbeitet. Davon bin ich inzwischen wirklich weg. Die Automatiken kommen mir nur noch äußerst selten unter und ich fotografiere im Prinzip komplett manuell. Intuitiv kann ich aber nun nicht sagen, welche Zeit bei welcher Blende ich wohl brauchen könnte. Mit Hilfe der Belichtungsanzeige im Sucher funktioniert das aber doch ganz gut, wenn ich nicht gerade viel zu spontan und unkonzentriert losknipse. Da gibt es dann doch mal extrem über- oder unterbelichtete Bilder.
In der Hinsicht würde ich aber trotzdem sagen, dass ich mich dort stark weiterentwickelt habe. Durch die tägliche Routine bleibt aber wohl auch kaum aus, wenn man sich anständig mit dem Thema beschäftigt.

Ich wollte bei jedem Wetter fotografieren. Alle Jahreszeiten in ihrer Schönheit einfangen, mich nicht immer auf das Wetter als Ausrede stützen. Egal ob zu warm, zu kalt, zu sonnig, zu regnerisch, keine Ausrede sollte mehr gelten.
Ich denke, dass ich den Part auch relativ gut gemeistert habe. Natürlich gab es diese „Ausreden“, besonders im Bezug auf den Regen, denn Regen kann auf Fotos zwar auch gut aussehen, aber selbst wenn man sich selbst dazu bewegen kann bei Regen vor die Tür zu gehen, bleibt da immernoch die Technik, der ich nicht zu viel zumuten wollte. Für dieses Bild zum Beispiel stand ich aber tatsächlich draußen in strömendem Regen.

Darüberhinaus wollte ich neue Dinge ausprobieren, Experimente wagen und damit eventuell sogar herausfinden, in welche Richtung ich mit meiner Fotografie gehen möchte.
In der Hinsicht bin ich eher zwiegespalten. Experimente gab es. Zum einen gab es da Spielereien mit dem Graufilter, Lightpainting, einen sternebedeckten Nachthimmel, verschiedenste Selbstportraits, mein erstes HDR, meine erste Lasershow, Versuche in der Streetfotografie, nach meinem Auszug auch endlich Foodfotografie, in der Schule haben wir mit selbstgebastelten Lochkameras fotografiert, Fotogramme erstellt, es gab viel viel Schnee in einem langen langen Winter, Feuerwerk zum Jahreswechsel und außerdem viele Blumen, einige Tiere und ganz besonders viele Makros.

Es hat aber noch einige andere Dinge gegeben (oder es gibt sie jetzt noch), die ich gerne ausprobiert hätte, was ich aber nie geschafft habe. Das Gute daran: Es bleibt noch mehr, was ich jetzt ganz ohne Projekt ausprobieren kann. Sowieso lernt man ja nie aus.

Sehr bedeutsam für mich und ich denke auch für das Projekt war in diesem Jahr mein Auszug von zu Hause, rein in eine eigene kleine Wohnung fern der Heimat, um dort eine Ausbildung zur Fotomedienlaborantin zu beginnen.
Dieser Schritt war für mich nicht einfach und ich hatte wirklich auch Angst vor dem, was dort auf mich zu kommen würde.
Noch immer kann ich nicht genau sagen, ob oder inwiefern mir das Projekt hier nun geholfen hat, aber ich glaube, dass es ein guter Zeitpunkt dafür war. Zum einen hatte ich vor meinem Umzug drei Monate Zeit mich irgendwie an das Projekt zu gewöhnen und andererseits vielleicht auch schon eine Art Routine drin, die mir dann in der neuen Stadt geholfen hat. Ich konnte quasi etwas aus der Heimat mitnehmen und hier fortführen, auch wenn ich da zunächst so meine Schwierigkeit hatte, mich mit der neuen Gegend abzufinden und fotogene Dinge zu finden.
Und doch habe ich das alles geschafft. Während ich hier so schreibe und durch meine Fotos scrolle frage ich mich teilweise selbst, wie ich das eigentlich geschafft habe, aber es ging.
So nervig und anstrengend ich meine Reisetätigkeiten – Pendeln zwischen Heimat, Arbeitsort und Schulort – zum Teil auch fand, so gut tat er meinen Fotos auch. Die Ortswechsel brachten immer mal wieder Abwechslung rein.

Und egal, wie oft ich dachte „Verdammt, was zur Hölle soll ich heute nur fotografieren?!“, ich habe jeden Tag etwas gefunden, einfach immer weiter gemacht und bin selbst erstaunt, wie gut das alles geklappt hat.

Damit möchte ich nun auch alle ermutigen, die überlegen so ein Projekt zu starten, einfach damit zu beginnen. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich das wirklich schaffen würde. Aber wie schon gesagt: Ihr werdet es nie herausfinden, wenn ihr es nicht probiert und meiner Meinung nach, kann man auch nur gewinnen. Natürlich ist es schöner, wenn man es wirklich schafft, als wenn es irgendwann abgebrochen wird, aber irgendeine Erkenntnis wird man immer mitnehmen und das ist es doch wert.

Nun zum Abschluss noch ein paar Zahlen zu meinem Projekt:

  • Am häufigsten kam das 50mm-Objektiv zum Einsatz, nämlich ganze 138 Mal. Danach folgt mit 107x das Makro, 72x Kit, 28x Tele, 16x Weitwinkel und dann gab es noch 2 Lochkamerafotos und 2 Fotogramme. Am Anfang meines Projektes war ich der Meinung das 50mm viel zu selten zu benutzen, nun steht es aber doch auf dem ersten Platz, was wohl einfach daran liegt, dass es relativ vielseitig ist, sehr lichtstark und so leicht ist, dass man es immer gut dabei haben kann. Tele und Weitwinkel wurden rein nach diesen Zahlen relativ selten genutzt, aber die beiden kamen ja auch erst im Laufe des Projektes hinzu und zumindest beim Weitwinkel gab es in letzter Zeit doch eine enorme Steigerung.
  • 232 Fotos entstanden im Querformat, 67 im Hochformat, 65 sind quadratisch und die beiden Lochkamerafotos sind genau genommen rund. Es ist zwar nur knapp, aber ich hätte trotzdem nicht gedacht, dass ich mehr Fotos im Hochformat haben würde als quadratische, wo ich das Gefühl hatte das quadratische Format doch sehr gern zu verwenden.
  • Es entstanden 311 Farbfotos und 54 Schwarzweiß-Fotos. So schön ich Farbe auch finde und mich freue, relativ wenige dunkle, graue Bilder dabei zu haben, finde ich es fast schade, dass ich nicht mehr in SW fotografiert (bzw. bearbeitet) habe.
  • Nur bei 5 Fotos habe ich den Blitz genutzt.
  • Die meist genutzten Einstellungen: 76x f/2.8, 39x 1/100s, 158x ISO 100. Besonders den ISO-Wert finde ich insofern interessant, dass er der niedrigste ist, der am häufigsten genutzt wurde. Theoretisch war es also meistens gut hell.

 

Alle Fotos könnt ihr euch auch hier nochmal in meinem Flickr-Album ansehen oder auch direkt hier als Diashow.

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7 Kommentare zu “Projekt 365 – Mein Jahresrückblick

  1. ich gratuliere dir ganz herzlich zum geschafften projekt! nachdem ich mit der uni jetzt fertig bin werde ich so etwas auch irgendwann in angriff nehmen, es reizt mich ja auch schon, seit der point damit begonnen hat. tolle bilder sind entstanden, du kannst stolz auf dich sein!

  2. Also echt, riesengroßen Respekt, dass du das geschafft hast. Ich habe dein Projekt nicht von Anfang an mitverfolgt, weil ich dir da noch nicht so lange folgte, aber fand das sehr interessant. Ich überlege nun, das auch mal zu starten, aber ich mache auch 50f und selbst da sitze ich schon seit zwei Jahren dran. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Durchhaltevermögen für 365 Tage hab, jeden Tag ein Foto. Obwohl ich halt wirklich, wirklich gerne fotografiere und es wäre mal ne Herausforderung. Ich denke, ich werde es wohl wagen :)

  3. Hut ab!!!

    Leider erst jetzt, aber ich war im Urlaub unterwegs…
    Gratulation zum Projekt. Deine Bilder sind super geworden und du hast das gemacht, was man machen sollte Bilder, Bilder, Bilder…
    Toll! Toll! Toll!!!!!

    Ich kann nur sagen, dass auch für mich mein Jahresprojekt 365+1 (http://juergenadler.jimdo.com/projekt-365-1/) solche Erfahrungen gebracht haben.

    Für alle Zweifler, es ist leichter jeden Tag ein Bild zu machen, als nur ab und zu… und man kann ja mal mit nur einem Monat anfangen ;-)… )Quasi einen Monat: jeden Tag ein Bild und wenn´s läuft, verlängern…)

    Ich bin gespannt, wie es hier weiter geht und freue mich schon auf deine neuen Bilder.

    Viele Grüße

    Jürgen

    • Vielen lieben Dank!

      Ich muss jetzt inzwischen auch sagen, dass es gar nicht so schwer ist. Wie du schon sagst, ist es leichter jeden Tag ein Bild zu machen, als nur ab und zu.
      Der „Zwang“ hat zwar auch mal genervt, aber so bin ich zumindest immer dran geblieben und es sind dabei ja auch jede Menge guter Bilder entstanden. Jetzt nach dem Projekt habe ich irgendwie das Gefühl, dass ich mit der „Freiheit“ nicht mehr umgehen kann und eigentlich viel zu selten fotografiere.

  4. Auch von mir extrem verspätet noch einmal herzlichen Glückwunsch^^ Find gut, dass du auch noch ne Statistik eingeworfen hast, ich find sowas immer interessant :D Vorallem weil ich das so schön mit meiner vergleichen kann ^^ Zum Beispiel hast du dich wesentlich öfter vom Querformat trennen können als ich, hast auch mehr Farbfotos gehabt…. Du hast etwas weniger Tele und Weitwinkelfotos (kamen bei dir ja auch erst später dazu), dafür mehr Kit als ich, weniger 50mm, mehr Makro. Wir beide mit Blitz sehr sparsam…. Eine Statistik zu den meistgenutzen Einstellungen habe ich leider nicht. Aber da ich mit dem Joghurtbecher so viel fotografiert hab, denke ich auch, dass die Blende meistens ziemlich weit offen war.

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